Erste EU Case-Camping-China-Konferenz in Berlin

Fruchtbares Forum

Das CASE-Projekt der Europäischen Union zur Etablierung eines tragfähigen Camping-Konzepts in China in Zusammenarbeit mit dem dänischen und dem deutschen Campingunternehmer-Verband ist wieder einen großen Schritt weiter: Für alle Seiten gab es interessante Informationen und spannende Perspektiven auf der ersten EU-Camping-China-Konferenz am 27. und 28.11.2006 in Berlin. Anschließend unternahm das Komitee eine Besichtigungsreise in Deutschland und Dänemark.

Das Projekt wird getragen von den Campingverbänden in Deutschland (BVCD) und Dänemark (Campingrat) sowie der BVP (Beratung und Planung im Verkehrswesen GmbH, Initiatorin des Case-Projekts, die auch die deutsch-chinesischen Kontakte hergestellt hat), und von chinesischer Seite von der BAMSA (Bejing Automobile and Motor Association), dem chinesischen Automobilclub in Peking.

Von europäischer Seite befassten sich verschiedene Referate mit vorbildlichen Konzepten für die Campingbranche, die auch für China eine Bedeutung haben können. Es kamen auf der Konferenz im Rahmen des internationalen Austausches zahlreiche neue Aspekte zur Sprache, die auch für Deutschland oder Dänemark interessant sein könnten.

Teilnehmer

Teilgenommen haben Campingunternehmer, Caravan- und Zelthersteller, Architekten, Berater sowie die chinesischen Deligierten, die sich unter den verschiedenen Gesichtspunkten mit dem Aufbau der chinesischen Campingwirtschaft befassen. (Verbände, Behörden, Unternehmen, die bereits einen Campingplatz haben oder planen.)

Beiträge auf der Konferenz

Das neue Klassifizierungssystem in Dänemark und ganz Skandinavien war Thema des dänischen Campingrats. Danach wurde das Klassifizierungssystem in Dänemark gerade grundlegend überarbeitet. In Dänemark sind alle 500 Plätze des Landes klassifiziert, die Spanne reicht von 1-Stern-Plätzen bis zu 5-Stern-Plätzen. Durch die Einbeziehung aller Plätze des Landes ist die Mehrzahl - 65% - mit drei Sternen bewertet. Nur acht Plätze haben mit fünf Sternen die höchste Auszeichnung verliehen bekommen und  zehn Plätze wurden mit vier Sternen ausgezeichnet . Die verbleibenden Plätze sind mit einem oder zwei Sternen bewertet worden.

In Deutschland nehmen dagegen nur etwa 40 % der BVCD-Plätze und 20 % aller Plätze an der Klassifizierung teil - in der Regel sind es die besser ausgestatteten.

Dadurch erklärt sich auch das Klassifizierungsergebnis in Deutschland mit einem Bewertungsschwerpunkt bei vier Sternen.

Poul Thomasen, der entscheidend an der Entwicklung des dänischen Systems mitgewirkt hat, wird auch die für April 2007 in China geplanten Schulungskurse entwickeln und veranstalten.

Neu in Dänemark ist, dass in das Klassifizierungssystem so genannte "Themen" aufgenommen worden sind. Ein Campingplatz, der ein Thema besetzen möchte, muss dann für das von ihm gewählte Thema festgelegte Mindestvoraussetzungen erfüllen. So müssen beispielsweise zum Thema "Angeln und Fischen" eine Fischküche, spezielle Fischputzplätze, Ausrüstungen und eine Beratung angeboten werden. Solche Themen können durchaus auch kleinere  Plätze oder Plätze mit weniger Sternen gut besetzen.

Carina Dambacher von ECOCAMPING berichtete über die bislang weltweit umfassendste Campingbefragung. Befragt wurden über 9.000 Campinggäste in Europa direkt auf den Campingplätzen nach deren Wünschen und Präferenzen. Zudem wurden herausragende Beispiele von Umwelt- und Qualitätsmanagement auf deutschen Campingplätzen vorgestellt.

Nach Auffassung der chinesischen Partner wird der Umweltgedanke bei der Neukonzipierung von Campingplätzen eine bedeutende Rolle spielen, deshalb seien die deutschen Erfahrungen dabei eine große Hilfe.

Hans-Karl Sternberg, der neben seiner Funktion als Geschäftsführer des CIVD (Caravaning Industrie Verband) auch Generalsekretär des Europäischen Dachverbands der Caravanhersteller ECF (European Caravan Federation) ist, gab einen Überblick über die europäische und die deutsche Situation bei den Caravanherstellern.

Anders als in Deutschland sind europaweit die Zulassungszahlen für Caravans nicht zurückgegangen, sondern verzeichnen in den letzten zehn Jahren einen tendenziellen Zuwachs.

Dr. Xiwen Zahng von der BVP (Beratung und Planung im Verkehrswesen GmbH, Initatorin des Case-Projekts, die die deutsch-chnesischen Kontake hergestellt hat) berichtete über die Ergebnisse einer ersten Bedarfsanalyse für den Chinesischen Markt. He Wei von BAMSA zeigte die materiellen Grundlagen für die Entwicklung der Campingwirtschaft in China auf. Dort hat die rasante Motorisierung dazu geführt, dass China mittlerweile den weltweit zweithöchsten Fahrzeugbestand nach den USA hat. Im nächsten Jahr wird damit gerechnet, dass die USA überholt werden. In Verbindung mit der stark verbesserten Einkommmenssituation - vor allem in den Großstädten - ist ein Bedürfnis gewachsen, Freizeit mit der Natur zu verbinden und dazu das eigene Fahrzeug zu nutzen. Camping ist hier die ideale Urlaubsform.

"3 Circles and 2 Routes" heißt das neue Campingentwicklungskonzept in den als Ferienregionen ausgewählten Gebieten: Beijing-Tianjin-Bohai Bay, Yangtze River Delta, Pearl River Delta, Beijing - Shenzhen Route, Xian - Urumchi Route. So sollen zur Olympiade 2008 vor allem in Peking zahlreiche neue Campingplätze geschaffen werden, die später auch für andere Events und für den Städtetourismus genutzt werden können. Gegenwärtig gibt es in China kaum Campingplätze. Durch neue Campingplätze erhofft man sich, die Grundlagen für Campingurlaub in China zu schaffen. Zudem sollen bessere Möglichkeiten für europäische Gäste geschaffen werden, mit dem Wohnmobil durch China zu reisen.

Jan Widong von 21rv gab einen Bericht über den gegenwärtigen Stand der Caravan-Industrie in China ab.

Der Verkauf von RV's (Recreation Vehicles ist die amerikanische Bezeichnung für Caravans und Motorcaravans) in China ist im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl gegenwärtig noch sehr gering. Der Anteil der Importfahrzeuge stieg in den letzten Jahren ständig an (2005: 25 Prozent). Widong führt das auf die überwiegend noch mangelhafte Qualität der heimischen Produkte zurück. Importe werden allerdings durch den relativ hohen Einfuhrzoll belastet. Joint Ventures können deshalb ein geiegneter Weg sein, auf dem chinesischen Markt zu einer relevanten Größe zu werden.

Matchmaking

Am zweiten Tag bestand im Rahmen des so genannten Matchmaking Seminars die Möglichkeit, mit einzelnen Mitgliedern der chinesischen Delegation Einzelgespräche (Face-to-Face-Meetings) zu führen. Davon wurde zahlreich Gebrauch gemacht, insgesamt fanden zwölf Einzeltermine statt.
 
Besichtigungsreise

Mit der Besichtigung der Hobby-Wohnwagenwerke in Rendsburg-Fockbek besuchten die Konferenzteilnehmer eines der größten Caravanwerke in Deutschland. Anschließend standen vier Campingplätze in Deutschland zur Besichtigung an: zwei Campingplätze der Haveltourist GmbH & Co. KG in der Mecklenburgischen Seenplatte, nämlich Camping und Ferienpark Havelberg - Groß Quassow und FKK-Camping am Useriner See sowie das Südseecamp in Wietzendorf und der Camping- und Ferienpark Wulfener Hals auf Fehmarn.

Anschließend ging es nach Dänemark, wo sich die Besucher auf dem Campingplätzen Gammelbro in Haderslev, Billund Camping Legoland und Hvidbjergstrand in Blavand einen Eindruck von dänischen Standards verschaffen konnten, bevor sie nach gemeinsamem Abschlussprogramm wieder die Heimnreise antraten.

Information:

BVCD Case-Projektleiter
Dr. Gunter Riechey
Holstenstr. 15
25335 Elmshorn
Tel.: 0 41 21 - 2 52 52
Fax: 0 41 21 - 2 58 67
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